Botulinumtoxin-Sprechstunde

Die Behandlung der Spastik mit Botulinumtoxin wird seit etwa 15 Jahren bei Kindern erfolgreich angewandt. Sie ergänzt die Physiotherapie und Hilfsmittelversorgung als begleitende Therapieform, durch die eine Spastik zwar nicht geheilt, aber deutlich reduziert werden kann, so dass mit therapeutischer Hilfe neue Bewegungsmuster erlernt werden können.

Botulinumtoxin A ist ein künstlich hergestelltes Lebensmittelgift, das durch gezielte Muskelinjektion eine lokale antispastische Wirkung über einen Zeitraum von etwa 3-6 Monaten bewirkt, indem die Übertragung von Signalen zwischen dem Nerv und seinem Zielmuskel vorübergehend blockiert wird. Während dieser "Blockade" können einerseits die bisher in ihrer Funktion unterdrückten Gegenmuskeln aktiviert und sogar auftrainiert werden, andererseits die Koordination der Rumpf-und Extremitätenmuskulatur verbessert werden.

Die Nerven-Muskel-Blockade lässt nach etwa einem 1/4 Jahr dann wieder nach, wenn neue Kollateralverbindungen zwischen dem Nerv und dem Muskel gebildet, bzw. die alten Übertragungskanäle reaktiviert werden. Dann kann durch eine erneute Injektion der betroffenen Muskulatur die Spastik erneut gemindert werden, um so mit begleitender Physiotherapie und Orthesenversorgung die statomotorische Entwicklung weiter zu fördern.

Bei schwierigen komplexen Fragestellungen kann eine Vorstellung in der interdisziplinären Neuroorthopädischen Sprechstunde angeboten werden, um das weitere Behandlungskonzept festlegen zu können.

Bei sachgemässer Anwendung hat Botulinumtoxin A nur eine streng lokale Wirkung in dem betreffenden Muskel. Milde Nebenwirkungen treten in Einzelfällen in Form von leichtem Fieber oder Schmerzen auf. In ganz seltenen Fällen werden vereinzelt Schluck- oder Blasenentleerungsstörungen beschrieben, die sich in jedem Fall wieder zurückbilden.

Die Behandlung selbst ist im Regelfall nur während der Injektionsphase etwas schmerzhaft. Deshalb setzen wir eine Oberflächen- anästhesierende Creme sowie Schmerz- und Beruhigungs-Tropfen ein, um Kindern die Behandlung so angenehm wie möglich zu gestalten. Begleitend dazu haben sich neben der liebevollen Begleitung durch die Eltern die Lieblingsmusik des Kindes oder das Erzählen einer Geschichte bewährt.