Epilepsie-Sprechstunde
Allgemeines: Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und gehen mit wiederholt auftretenden Anfällen einher. Epileptische Anfälle und Epilepsie sind nicht gleichbedeutend. Etwa 5 % aller Menschen erleiden mindestens einmal in ihrem Leben einen Anfall, der unter besonderen Umständen auftritt. Am besten bekannt sind die sog. Fieberkrämpfe, die bei Kindern im Rahmen von fieberhaften Infekten auftreten. Von Epilepsie spricht man erst, wenn sich die Anfälle ohne äußere Auslöser wiederholen. Bei etwa 1 % aller Menschen liegt eine Epilepsie vor. EEG: Mit Hilfe der Elektroenzephalographie wird die elektrische Hirnaktivität aufgezeichnet. Bei dieser Untersuchung werden die Elektroden schmerzfrei auf dem Kopf platziert. Unser Vorgehen: Beim ersten Besuch in der Ambulanz wird die Vorgeschichte ausführlich besprochen einschl. bisheriger medikamentöser Therapien. Danach folgt eine umfassende allgemeine und neurologische Untersuchung mit Überprüfung des Entwicklungsstandes und Ableitung eines Video-EEGs. Falls Ihr Kind wegen der Epilepsie schon in anderen Einrichtungen behandelt worden ist, bitten wir Sie, die bisherigen Vorbefunde einschl. Namen der bisher eingesetzten Medikamente und evtl. auch Anfallskalender mitzubringen. Je nach Ergebnis sind noch ergänzende Untersuchungen wie Blutuntersuchung, Video-Schlaf-EEG, ggf. Langzeit-EEG und Kernspintomographie des Gehirns erforderlich.
Über die Hälfte aller Epilepsien beginnen bereits im Kindesalter, 80 % aller Epilepsie-Patienten haben ihren ersten Anfall vor dem 20. Lebensjahr.
Bei epileptischen Anfällen liegt eine vorübergehende Funktionsstörung von Gehirnzellen vor. In Abhängigkeit von den betroffenen Gehirnzellen können epileptische Anfälle sehr unterschiedlich aussehen. Das Spektrum reicht von großen Anfällen, die mit Bewusstlosigkeit, Stürzen und Zuckungen an Armen und Beinen einher gehen, bis zu wenige Sekunden dauernder Störung des Bewusstseins oder kurzem Zucken eines Körpergliedes.
Diagnostik: Nach Erhebung der Vorgeschichte mit möglichst exakter Anfallsbeschreibung und Ableitung eines ElektroEnzephaloGramms (Hirnstromkurve) ist es bei der Mehrzahl der Patienten möglich, die Diagnose einer Epilepsie zu stellen.
Beim Video-EEG wird der Patient gleichzeitig während der Ableitung gefilmt, so dass auf dem Monitor Hirnstromaktivität und das Videobild simultan beurteilt werden können.
Therapie: Zur Behandlung der Epilepsie stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Bei etwa 2/3 aller Patienten kann heutzutage damit Anfallsfreiheit erreicht werden.
Voraussetzung ist eine genaue sog. Klassifikation des Epilepsietyps, da davon die Auswahl des Medikamentes abhängt. Bei der Auswahl des Medikamentes müssen aber noch weiter Faktoren wie Alter des Kindes, zusätzliche Erkrankungen, Einnahme weiterer Medikamente etc. berücksichtigt werden.
Im abschließenden Gespräch wird die Diagnose erörtert und Therapievorschläge gemacht. Falls die weitere Begleitung in der unserer Epilepsie-Ambulanz gewünscht wird, sind jährlich etwa 2-4 Kontrolltermine erforderlich.
Da etwa 30-40 % der Kinder mit Epilepsie zusätzliche Probleme haben – wie Lernstörungen, Teilleistungsstörungen, Verhaltensstörungen –, ist ein fester Bestandteil unserer Diagnostik/Betreuung eine neuropsychologische Diagnostik und Sozialberatung.
Dies umfasst auch Empfehlungen für Kindergarten und Schule und – falls gewünscht – Austausch mit den dortigen Erziehern/Erzieherinnen und Pädagogen/Pädagoginnen.